Aus eigener Erfahrung kann ich gut nachempfinden, was und wie diese Studentin im Satsang vom 27. August fühlt. Hier im Westen, in der ‘entwickelten’ Welt, wachsen wir in einer gnadenlosen Leistungsgesellschaft auf, deren Vorstellungen und ungeschriebenen Gesetze uns quasi mit der Muttermilch eingeflösst werden. Überall, im Beruf, im Sport, in der Wirtschaft, in der Familie, sogar in der Liebe ist Leistung angesagt und wird Leistung gefordert. In der Werbung wird mit Schlagwörtern wie Spitze, Qualität, allerbeste Güte u.d.m. operiert. Es zählt nur noch das Beste vom Besten, das Feinste vom Feinsten. Wenn du diesen Kriterien nicht entsprichst, gehörst du nicht dazu, wirst du zum Aussenseiter und Versager abgestempelt. Das erzeugt natürlich einen ungeheueren Druck, Angst und Verunsicherung. Es ist sehr schwer diesen Erwartungen gerecht zu werden. Viele junge Menschen fühlen sich überfordert und nicht wenige zerbrechen daran. Sie fühlen sich unverstanden, abgewiesen, ausgegrenzt und flüchten oft in Alkohol und Drogen. Dieser Leistungsdruck kann in die Depression oder gar in den Selbstmord führen. Es kann und darf doch nicht normal sein, dass bereits Kinder in der Grundschule von ihren Eltern mittels Psychopharmaka zur Leistungssteigerung angetrieben werden. Man gewinnt den Eindruck, dass alle Mittel recht sind, um die hoch gesteckten Ziele zu erreichen.

Ein erschreckendes Spiegelbild unserer Gesellschaft bietet ausgerechnet der Sport. Vorbei die olympischen Spiele unter dem Motto “ dabei sein ist alles”. Heute gilt bei Olympia die Devise “noch schneller, noch höher, noch weiter”. Bei der Jagd nach Rekorden ist Doping Trumpf. Bei der ‘Tour de France’, dem grössten und medienwirksamsten Radrennen der Welt, stürmen radelnde Apotheken in einem Wahnsinnstempo die höchsten Gipfelstrassen der Alpen und Pyrenäen hoch. Wie die Siege errungen werden ist zweitrangig, Hauptsache man lässt sich bei der Einnahme verbotener Substanzen nicht erwischen. Zeigt der Sieger noch Freude über seinen ersten Platz, so sieht sich der Zweitplatzierte als erster Verlierer und der Dritte ist schier untröstlich, dass er so schlecht abgeschnitten hat. Und dabei ist Sport doch nur ein Spiel und sollte eigentlich Spass machen. Leider scheint uns das Spielerische verloren gegangen zu sein. Wir hehmen alles zu ernst, vor allem uns selbst. Wir stellen zu hohe Ansprüche an uns und an die anderen. Wir legen uns die Latte zu hoch oder lassen sie uns zu hoch legen, so dass das Scheitern vorprogammiert ist. Wir wollen unbedingt perfekt sein. Vollkommenheit jedoch gibt es nicht. Wenn wir uns dessen bewusst sind, setzen wir uns nicht länger unter Druck, fällt eine enorme Last von uns ab und wir fühlen uns erleichtert. Wir orientieren uns zu sehr nach aussen, statt nach innen. Man hat uns ja nicht gelehrt unseren Wahrnehmungen zu vertrauen. Im Gegenteil, wir liessen uns fernbestimmen, manipulieren. Wir wurden geliebt, wenn wir uns so verhielten wie es von uns verlangt wurde. Wie kann man da Selbstvertrauen entwickeln? Wir müssen lernen Eigenverantwortung zu übernehmen und uns von der Opferrolle befreien. So lange wir uns als Opfer betrachten, sind wir passiv und unfähig etwas zu ändern. Manchmal ist es ein langwieriger und schwieriger Prozess bis wir zu uns selbst finden. Warten und Hoffen auf Hilfe von aussen ist pure Illusion. Du musst das Heft selbst in die Hand nehmen, musst aktiv werden. Immer wenn wir auf unserem Lebensweg an eine Abzweigung kommen, bieten sich uns 2 Möglichkeiten: wir können den linken oder den rechten Weg einschlagen. Wir müssen uns nur entscheiden, niemand kann uns diese Entscheidung abnehmen. Und wenn wir uns einmal entschieden haben, müssen wir zu dieser Wahl stehen und unbeirrt und konsequent den eingeschlagenen Weg gehen. Das hat nichts mit Sturheit zu tun, das ist Selbstvertrauen, Vertrauen in unsere Wahrnehmung und in unsere Fähigkeiten.Wir sind Kinder Gottes und Gott lässt uns nie im Stich. Wir brauchen uns Ihm nur anheimzugeben, mit Ihm im Gespräch zu bleiben und in uns hinein zu horchen. Anstatt auf die Meinung anderer zu hören, sollten wir auf unsere innere Stimme, die Stimme Gottes in uns hören und ihr vertrauen. Oeffne dein Herz, es ist die Tür zu Gott. Geh in die Stille damit du  hören kannst, wenn Er anklopft. Gott ist leise, eEr drängt sich nicht auf, aber Er ist immer verfügbar.