Seit einem Monat bin ich nun hier. Im Ashram Shree Bindu Sewa Sansthan in Vrindavan. Fuer mich ist der Ashram ein zweites Zuhause, die Ashram-Family ist meine Familie. Seit einigen Tagen nun sind die Schueler der Yogalehrer-Ausbildung hier. In diesem Rahmen hoerte ich die Vortrage Swami jis ueber Vrindavan, Krishna und die bezaubernde Magie der Praesenz Lord Krishnas, des "Jungen von nebenan". Auch im Tagebuch hat er darueber geschrieben.
Er hat das so wunderschoen beschrieben, was ich hier spuere und nur schwer in Worte fassen kann. Denn der Verstand kann es nicht begreifen, es ist nur ueber das Empfinden, das Fuehlen wahrnehmbar.
Was gibt mir dieses wohlige Lebensgefuehl und den Wunsch nie mehr von hier fortgehen zu muessen?
Da ist nicht nur der Ashram mit seinen liebevollen Menschen, den froehlichen Schulkindern und ihren freundlichen, offenen Muettern, mit den netten Lehrerinnen, die nie die Geduld verlieren und in ihren farbenfrohen Saris auch trotz groesster Hitze immer wunderschoen anzusehen sind. Es gibt auch das indische Leben auf den Strassen Vrindavans, das fuer uns Europaeer sehr fremd ist. Laut, eng, staubig, schmutzig, ungeregelt. Als ich zum ersten Mal in der Riksha unterwegs war, waren die Eindruecke fast ueberwaeltigend. Der Ashram ist dagegen eine Oase der Ruhe. Wer durch das Tor eintritt, wird von dem gruenen und bluehenden Garten umfangen.
Und doch - mein Gluecksgefuehl des lebendigen, freien Seins ist am staerksten spuerbar, wenn ich mitten unter Vrindavans Menschen bin. Mitten im Laerm, im bunten Treiben, zwischen den vielen Menschen, gross und klein, alt und jung, die sich hin und wieder in die Rinnen am Strassenrand erleichtern. Zwischen Fahrraedern, Rikshas, Ochsenwagen, Motorraedern, heiligen Kuehen, schmutzigen Schweinen, Hunden, Ziegen, Abfaellen ueberall, inmitten von knatternden Motoren,  lautem Hupen in den lustigsten Toenen und Melodien und den Menschenstimmen, die rufend alles zu uebertoenen versuchen, damit sie auch gehoert werden ... bin ich gluecklich und in meiner ruhigen Mitte. 
Hier sind Laerm und Trubel anders als anderswo. In Vrindavan scheint die Liebe zu leben. Hier ist die Liebe zum Leben zu Hause. Hier lebt Krishna.
Ich kann sehr gut nachvollziehen, dass die Menschen Vrindavans nur hier leben wollen. Nachvollziehen mit meinem gesamten Fuehlen. Mit dem Herzen. Allzugerne wuerde ich des Nachts in Nidhiban bleiben, um den Gopis beim Tanz und Spiel mit Krishna zuzusehen ...