Da war ein Mensch, der hatte irgendwann in seinem Leben die Spiritualität entdeckt. Ein völlig neues Lebensgefühl stellte sich ein. Er war fasziniert. Seine Begeisterung kannte keine Grenzen. Er deckte sich mit entsprechender Fachliteratur ein und las eine Menge gescheite und weise Bücher. Bald kannte er sich in den heiligen Schriften aus und konnte sowohl Texte aus der Bibel als auch aus der Bhagawat Gita auswendig zitieren. Er nutzte jede sich ihm bietende Gelegenheit, um sich auf diesem Gebiet weiterzubilden, besuchte Vorträge, Workshorps und religiöse Veranstaltungen jeder Art. Er reiste nach Indien, flog in den Himalaya, zog sich in die Einsamkeit der Klöster zurück, suchte eine Vielzahl heiliger Stätte auf, betete in prunkvollen Tempeln und meditierte in entlegenen Höhlen. Bei sich zu Hause richtete er sich eigens einen Raum der Stille ein, den er mit okkulten Gegenständen, wertvollen Statuen und Heiligenbildern ausschmückte, vor denen Tag und Nacht Kerzen brannten und wohin er sich mehrmals täglich zum Meditieren, Chanten, Beten und Singen heiliger Lieder zurückzog.  Er fastete mehrmals jährlich, übte sich auch sonst in Enthaltsamkeit und legte regelmässig Schweigetage ein.

Sein ganzes Wesen rief nach Erleuchtung. Immerzu betete er zu Gott, Er möge ihm diese Gnade erweisen.

Eines Tages, während der Abendmeditation, erschien ihm Gott leibhaftig. Auf einmal stand Er vor ihm, sah ihn lächelnd an und der liebevolle Blick des Allmächtigen rührte ihn zu Tränen, besonders als Er ihm Seinen Lob aussprach für seinen unerschütterlichen Glauben und sein unermüdliches Suchen. Schliesslich streckte Gott ihm Seine Hände entgegen und übergab ihm zwei Päckchen. Unser Freund war höchst überrascht und konnte seinen Augen kaum trauen: der Herr hatte ihm Geschenke mitgebracht! Gott wies ihn an, die Schachteln zu öffnen und ganz aufgeregt und mit zittrigen Händen kam der fromme Mann dieser göttlichen Bitte nach. Was dann zum Vorschein kam, erstaunte ihn sehr: eine Brille und ein Hörgerät.

Fragend erhob er seinen Blick zu dem Schöpfer. Gott sprach:“ Mein geliebter Sohn, ich anerkenne deine grossen Anstrengungen auf der Suche nach mir und weiss sie zu schätzen. So habe ich denn auch deine innige Bitte erhört und bin zu dir gekommen. Aber, wie es scheint, hast du Probleme mit den Augen und dem Gehör. Noch bist du nicht vollständig blind und taub, doch du siehst und hörst nicht gut. Und so schenke ich dir diese Hilfsmittel. Wo sind deine Augen, wenn du über deine armen, Hilfe suchenden Brüdern und Schwestern stolperst? Wo sind deine Ohren, wenn sie dich um Hilfe und Unterstützung anflehen? Dem, den du hier vor dir siehst, begegnest du immer und überall, wohin du gehst und wohin du schaust, in jedem menschlichen Körper, in allen Wesen die diese Welt bevölkern. Schau dich um und du wirst mich um jede Strassenecke,  in jedem Elendsviertel, in jedem Altenheim, in jedem Waisenhaus und in jedem Krankenhaus antreffen. Ich bin zwar das Licht, aber am ehesten wirst du mich bei meinen Kindern, die im Schatten leben finden. Werde wach und öffne dein Herz!“

So sprach Gott, umarmte seinen Sohn liebevoll und verschwand wie er gekommen war.

Unser Freund ward auf der Stelle geheilt und zwei völlig neue Gefühle machten sich in ihm breit: Liebe und Anteilnahme.