Swami ji and Roger

Diese Tage waren Swami ji und Ramona wieder bei uns in Luxemburg zu Gast. Leider konnte Yashendu nach seiner Knieoperation nicht mit kommen, was wir sehr bedauerten. Wir haben ihn sehr vermisst. Wir hatten eine wunderschöne Zeit zusammen. Obschon Swami ji kein volles Programm vorgesehen hatte, sind doch  Leute zu einer Heilsitzung gekommen und es hat auch einige Einladungen gegeben. Es ist immer ein besonderes Erlebnis Swami ji zu Gast zu haben, weil er ein ganz besonderer Gast ist, ein aussergewöhnlicher und doch auch ganz gewöhnlicher Mensch. Mit ihm kommt jedes Mal ein Stück Indien zu uns, “the indian way of life“. Durch seine alleinige Präsenz entsteht eine lockere, entspannte Atmospäre der Ruhe und des Friedens. Für Ueberraschungen ist allemal gesorgt, denn Swami ji lebt ganz im Augenblick und es ist durchaus möglich, dass sich der Tagesablauf völlig anders gestaltet als ursprünglich geplant. Diese Flexibilität hat nichts mit Sprunghaftigkeit gemein sondern ist Ausdruck von Anpassungsfähigkeit und Spontaneität. Für uns Westler, die den Tag oft bis ins kleinste Detail planen, ist es zwar ungewohnt aber total erfrischend. Es hat auch nichts mit Konzeptionslosigkeit zu tun, denn Swami ji weiss genau was er will und überlässt nichts dem Zufall. Wenn er sich etwas vorgenommen hat, bleibt er bei seinem wohl überlegten Entschluss, bittet um Gottes Segen und blickt vertrauensvoll in die Zukunft.

Es ist gleicher massen interessant und lehrreich Swami ji bei seiner Arbeit zu beobachten, wie er sich voll auf das konzentriert was er gerade tut. Er lässt sich von nichts ablenken oder aus der Fassung bringen, ob bei der Arbeit, beim Kochen, beim Essen oder beim Spiel. Stets ruht er in sich. Und die Ruhe, die er ausstrahlt, greift wundersamer Weise auf die anderen über. In Swami ji’s Gegenwart kommt keine Hektik auf. Er ist immer entspannt und gut gelaunt, allem zugänglich und jederzeit ansprechbar. Fragst du ihn um Rat, sagt er dir seine Meinung, liebevoll, offen und ehrlich. Niemals drängt er sich auf, nie versucht er seinen Gegenüber vom Gegenteil zu überzeugen oder ihm seinen Standpunkt aufzuzwingen.

Einmal, im Sommer vorigen Jahres, habe ich Swami ji in einer ganz banalen Angelegenheit um Rat gefragt. Es war drei Uhr nachmittags, ich war müde, wollte aber gleichzeitig auch eine Radtour machen. Unschlüssig suchte ich ihn auf und wollte von ihm wissen wozu er sich an meiner Stelle entscheiden würde. Swami ji sah mich lächelnd an und fragte:“ Bist du müde?“ Als ich bejahte, sagte er:“ Dann leg dich hin.“ Auf meinen Einwand, ich könne mich doch nicht einfach am frühen Nachmittag aufs Ohr hauen, wiederholte er schmunzelnd seine Frage. Für mich war es eine klare Antwort. Nach einem erholsamen Nickerchen fuhr ich noch zwei Stunden Rad.

Oft gibt Swami ji keine direkte Antwort. Er stösst dich auf die Antwort und überlässt dir die Entscheidung. Auf diese Weise lernst du Verantwortung zu übernehmen.

Swami ji ist unbestechlich, gradlinig, unzweideutig, seine Aussagen sind klar und präzise. Er lässt sich auf keine Spielchen oder faule Kompromisse ein, er bleibt sich stets treu. Er ist nicht stur sondern konsequent.

Besonders an ihm gefällt mir seine kindliche Unbefangenheit und seine schelmische Seite. Mit Swami ji kommt keine Langeweile auf, mit ihm kann man sich hervorragend unterhalten aber auch gemeinsam in der Stille sitzen oder eine Menge Spass haben. Mitunter geht es recht lustig zu, denn Swami ji lacht gerne, auch über sich selber, nie über andere. Swami ji liebt und geniesst das Leben. Er sagt:“ Gott will nicht, dass du traurig bist. Er will dich glücklich sehen.“

Auch wenn er sehr auf seine Ernährung achtet und diesbezüglich eine bewundernswerte Disziplin aufbringt, ist er aber auch gelegentlich ein Schlemmer, vor allem wenn es Eiscreme zum Nachtisch gibt. Dann kann es schon vorkommen, dass er mit mir um die Wette isst. Swami ji ist ausserdem ein ausgezeichneter Koch und es macht grossen Spass ihm in der Küche am Werk zu sehen. Dem Essen misst er eine besondere Bedeutung bei, wobei es nicht auf die Quantität sondern auf die Qualität der Nahrung ankommt. Dank seiner, entwickle ich mich allmählich zum Vegetarier.

Immer wieder beeindruckt mich seine grenzenlose Toleranz. Swami ji urteilt über niemanden, er akzeptiert und liebt alle Menschen so wie sie sind, bedingungslos. Was er nicht mag sind Heuchler, kühle Berechner oder Nutzniesser, aber auch sie verurteilt er nicht, vielmehr schliesst er sie in sein Gebet ein.

Ich bin allemal fasziniert von der Begeisterungsfähigkeit meines Bruders und davon wie er die anderen zu begeistern versteht, etwa für sein Kinderhilfswerk in Indien. Swami ji widmet sich mit totaler Hingabe diesem humanitären Projekt. Dafür arbeitet er unermüdlich, dergestalt, dass man sich fragt, wo dieser schmächtige Mann die ganze Kraft hernimmt? Zusammen mit Yashendu und Ramona verbringt er ganze Tage und halbe Nächte am Computer um seine Homepage auf den neuesten Stand zu bringen. Ramona ist eine hervorragende Sekretärin, allein in Sachen Tagebuch macht sie eine tolle Arbeit. Es ist erstaunlich, was diese junge Frau von 20 Jahren alles leistet!

Es ist rührend zu sehen, wie Swami ji sich über Kleinigkeiten freuen kann, etwa über ein Paar neue Schuhe oder ein einfaches Kleidungsstück wie eine Winterjacke, Dinge die für uns ganz selbstverständlich sind. Swami ji ist äusserst anspruchslos. Nach dem Sprichwort „ Bescheidenheit, das schönste Kleid“ zu urteilen, müsste Swami ji der best gekleidete Mann der Welt sein. Selten äussert er sich über seinen dreijährigen Rückzug in die Grotte oder Spiritualität im allgemeinen, es sei denn er wird direkt darauf angesprochen. Er spricht nicht über Spiritualität, er lebt sie.

Swami ji’s Grossherzigkeit  ist einmalig, er würde sein letztes Hemd mit dir teilen. Er geht auf jeden vorbehaltlos, mit offenen Armen zu. Auch viele schmerzliche Erfahrungen und bittere Enttäuschungen haben seinen Glauben an das Gute im Menschen nicht im geringsten erschüttert. Er vermittelt jedem das Gefühl, sich in diesem Moment für nichts in der Welt mehr als gerade für ihn zu interessieren. Das ist Swami ji, wie er leibt und lebt.

Swami ji bei sich zu Hause zu haben, ist nicht nur eine Ehre und ein Privileg, es ist ein grosser Segen. Das was du zu geben wähnst, ist nichts im Vergleich zu dem was du von ihm bekommst. Mit Swami ji kommt Sonne in dein Haus und Wärme in dein Herz. Er ist weder ein Prinz noch ein König, er ist ein Geschenk des Himmels, die Liebe in Person.

Mady bringt es auf den Punkt, wenn sie sagt: „ Wenn Swami ji bei uns zu Hause auf Besuch ist, fühlt sich alles anders an. Da ist Leichtigkeit, Gelassenheit, Frieden und Ruhe. Diese Atmosphäre trägt mich durch die Tage und alle Wolken lösen sich auf. Wenn wir dann am Ende seines Aufenthalts Swami ji, Ramona und Yashendu zu ihrem nächsten `Arbeitsplatz` fahren, empfinde ich bei der Rückkehr in unser Haus erst einmal eine gewisse Leere. Etwas fehlt und es dauert immer ein, zwei Tage bis ich mein normales Alltagsleben wieder finde.“