Hallöle,
ich lese mit wachsender Begeisterung das Tagebuch von Swami Ji.
Beim Eintrag vom 23.April musste ich echt lächeln:-) Ein authentischer Bericht über den Kulturschock den man hat, wenn man von einem herzlichen, warmen Land ins kühle Deutschland kommt.

Es ist wirklich sehr ehrenhaft, ein solches Geldangebot auszuschlagen, weil man ehrlich leben will. Ich glaube, wenn ich gezwungen würde, eine Rolle zu spielen, die ich abgelegt habe oder einfach nicht mehr verkörpern kann oder will, würde ich mich auch nicht kaufen lassen. Obwohl das sehr verlockend ist, das zu tun, und viele das auch tun. Genau das ist eines der Hauptthemen unserer Kultur.

Was tue ich, für wieviel Geld und warum?

Viele Menschen hier suchen genau diese Standhaftigkeit Geld ablehnen zu können, obwohl sie es nötig hätten, weil sie sonst zu einem unehrlichen Leben gezwungen wären.
Viele Menschen lehnen das Geld aber doch nicht ab, weil sie zu sehr im Materiellen verhaftet sind, um es ablehnen zu können. Sie halten dem Druck der Umwelt nicht stand. Man muss gewisse Statussymbole vorweisen können.
Wird nur akzeptiert, wenn man so ist, wie alle anderen und ist man das nicht, dann wird man angesehen wie ein Tier im Zoo. Man fällt aus der Rolle. Man fällt auf. Also nimmt man das Geld, spielt seine Rolle und lebt oberflächlich gut. Im Inneren zerfressen einen dann die Skrupel, reibt einen das schlechte Gewissen auf, weil man täglich ein Lügenleben praktiziert und davon letztendlich krank wird.

Die Deutschen haben allgemein ein Problem damit aus Rollen zu fallen oder aufzufallen. Es ist leichter und angenehmer im Strom mitzuschwimmen und sich in der Masse zu verstecken.
Die Angst der Menschen aufzufallen steckt tief in ihrem Innersten und macht sie krank, schwach und äusserlich kalt. Im Inneren brodelt und kocht es und wenn man es provoziert, kommt die echte Meinung heraus, aber nur unter besonderen Umständen. D.h. wenn die Provokation die Sicherheit ankratzt.
Die Deutschen sind Sicherheitsfanatiker. Ohne Absicherung, Sicherheiten, Rücklagen, was für "schlechte Zeiten" fühlt sich kein Deutscher wirklich wohl. Wir haben es verlernt, von der Hand in den Mund leben zu können.

Liebe, Glaube und Gefühl ändern sich hier nicht wirklich schnell. Das ist nur an der Oberfläche so. Mit was man hier aber rechnen muss ist, wenn eine Entscheidung endlich mal gefallen ist, kann man sich sicher sein, daß sie auch unbarmherzig durchgeführt wird. Ob diese Entscheidung nun gut oder schlecht war. Die Deutschen sind keine Meister im Umdenken und schon gar nicht im Umkehren, wenn sie sich mal auf dem falschen Weg befinden. Da muss schon was Gravierendes kommen, daß man umkehrt.

Hier findet man Liebe, Glaube und Gefühl auch seltenst öffentlich dargestellt. Das sind Dinge, die nur im "inneren Kreis" (Familie,
Freunde) wirklich offen dargelegt und ausgelebt werden. Denn diese dinge zu zeigen macht einen verletzbar und angreifbar. Das widerstrebt dem Sicherheitsdenken.

Sollte das mal öffentlich geschehen, daß diese Dinge gezeigt werden, kann man davon ausgehen, daß das es geschauspielert ist und da es eine Rolle ist, wird sie scheinbar auch sehr schnell mal wieder abgelegt oder auch wieder angelegt - gerade so wie man das braucht, um Vorteile zu haben. Es macht also nur den Eindruck, daß sich diese Dinge schnell ändern. Man muss den Leuten hinter ihre Masken schauen, um ihre wahren Absichten zu erkennen. Ich kenne nur sehr wenige Menschen, die so eine Maskerade nicht nötig haben. Die sind aber wirklich wertvoll für mich. Man sucht sie, wie eine Stecknadel im Heuhaufen.

Wirklich vertrauen sollte man auch nur Menschen, bei denen man sich echt sicher sein kann. Also Menschen, die man sehr oft gesehen hat und sehr lange kennt und die einem das letzte Hemd geben würden, würde man es verlangen. (Man sollte das auch mal wirklich verlangen, um es zu testen:-)) <<<
Also kein Vertrauen, ohne das Vertrauen irgendwann auf irgendeine Weise getestet zu haben.

Ein Leben ohne jegliche Kompromisse kann ich mir nicht vorstellen, denn in menschlichen Beziehungen ist man immer darauf angewiesen mit seiner nächsten Umgebung Kompromisse einzugehen. Wenn nicht alle einen Schritt aufeinander zugehen, dann bleiben alle auf ihren Standpunkten sitzen und es geht gar nichts mehr. Das wäre kein Miteinander, sondern ein Nebeneinander her.

Die Liebe als einzigen Kompromiss und als Standard einzusetzen halte ich für sinnvoll, gesund und menschlich äusserst wertvoll, schliesst aber die Aussage mit dem kompromisslosen Leben aus.
Liebe beinhaltet, daß ich einen anderen da abhole, wo er ist und genau dafür muss ich manchmal einen Kompromiss eingehen. Nicht immer mit anderen aber oftmals mit mir selber.

Grüssli Claudia

PS: Mir reichen meine Erfahrungen mit unehrlichen Menschen und nicht authentischen Leuten auch und ich habe etwa vor 2 Jahren damit begonnen meinem Leben eine andere Wendung zu geben. Weg vom Materiellen, hin zur allumfassenden Liebe. Leicht ist das wirklich nicht, aber es macht im Herzen gesund, froh und sehr authentisch. Ich wünsche Swami Ji auf seinem Weg viel Mut, Geduld (vorallem mit uns Deutschen), Licht und Liebe.