Ich grüsse Euch

Zunächst hoffe ich, daß ich das hier richtig einstelle:-)

Ich möchte mich nochmal zum Thema Kompromiss äussern.

Ein Kompromiss ist für mich nichts Negatives - im Gegenteil. Kompromiss bedeutet für mich ein aufeinander zugehen, wo sonst nur verhärtete Fronten wären, an denen erbittert um einen Einzelsieg gekämpft würde. Ein Kompromiss ist also die Aufgabe von Ego.

Es ist besser den Weg der Liebe, also in dem Fall das Akzeptieren des Gegenübers in all seinen Facetten, zu gehen. Wenn ich mein Gegenüber akzeptiere, muss ich in mir selbst einen Kompromiss schliessen -> Ego abgeben. Ich kann meine Meinung durchaus genauso behalten, wie ich sie hatte, aber ich bin durch meinen inneren Kompromiss in der Lage die Meinung des Anderen anzuerkennen und zu tolerieren evtl. auch mitzutragen und ich bin nicht mehr genötigt dem Anderen meine Meinung aufzuzwängen. Ich respektiere das Gegenüber, obwohl er nicht zu 100% mit mir übereinstimmt.
Die Anerkennung - der Respekt ist ein Abgeben an Ego. Ein "ich muss nicht alles zu 100% durchsetzen". Ich kann etwas abgeben und erhalte dafür auch den inneren Kompromiss und den Respekt meines Gegenübers.

Bin ich kompromisslos weiche ich nicht ab und ich verschliesse mich jeglicher Toleranz und Akzeptanz dem Anderen gegenüber. Ich beharre auf mein Ego, will es durchsetzen, koste es was es wolle. Ich respektiere gar nichts am Anderen und will ihn zwingen meiner Meinung zu sein.

Weichen die Meinungen soweit von einander ab, daß ich die des Anderen weder akzeptieren noch tolerieren kann, dann schliesse ich auch keinen Kompomiss mehr, weder mit diesem noch mit mir. Der "Preis" für so einen Kompromiss wäre zu hoch. Ich würde entweder die Liebe zu oder den Respekt für diesen Menschen oder zu mir selber verlieren. Hier müsste ich mich "verkaufen" oder schauspielern, wenn ich einen Kompromiss eingehen würde. Hier ist ein klares, mutiges "Nein - das kann ich nicht annehmen", ehrlicher, als ein fauler Kompromiss.

Die Liebe ist ein unveräusserliches Gut und keine Ware. Sie kann nicht verkauft, sondern nur verschenkt werden. Liebe die verkauft wird, ist keine echte Liebe.
Respekt kann man auch nicht kaufen. Auch das ist keine Ware. Respekt, den man sich erkaufen will, wird nur solange halten, wie das Geld reicht, aber keinen Tag länger.

Ich bin der Meinung, daß man nichts, was wirklich wichtig und wertvoll ist, kaufen kann. Man kann das nur verschenken oder geschenkt bekommen.
Liebe, Respekt, Achtung, Toleranz, Akzeptanz, Fürsorge, Neidlosigkeit........
An all diesen "Gütern" wächst und reift die Seele und der Geist und nicht der Geldbeutel. All diese "Güter" vermehren sich, wenn man sie verschenkt und schmälern sich, versucht man sie zu verkaufen.

Wenn man diese Güter dadurch erhalten kann, hat man einen wertvollen Kompromiss geschlossen.
Würde man diese Güter durch einen Kompromiss verlieren, dann ist man auf einem falschen Weg - Dann "kostet" dieser Kompromiss zuviel. Kein Geld der Welt kann den Verlust von Respekt und Liebe für sich selber und für Andere aufwiegen.

In der Tat ist die Liebe an sich kein Kompromiss. Also kann man auch sagen "Ich liebe kompromisslos". Das heißt nichts anderes als, "ich verschenke meine Liebe, ich weigere mich sie zu verkaufen". Ich habe das durchaus auch so verstanden.

Die Folgen vom "Ausverkauf" der Gefühle kann man tagtäglich sehen, wenn man die Augen aufmacht und achtsam ist. Lebt ein Mensch nicht in Liebe und Respekt für sich und Andere, wird er krank und sein Umfeld erkrankt mit ihm. Die Beziehungen erkranken, das Leben macht einen krank, dessen Kinder bekommen ein krankes Umfeld zum Aufwachsen und müssen von diesem schlechten Beispiel leben und lernen. Die Krankheit setzt sich in die nächste Generation fort und potentiert sich auf Dauer gesehen. Es entstehen vereinsamte, lieblose Egomanen, die schlimmer miteinander umgehen, als das je ein Tier mit dem anderen tun würde.

Leider ist für viele der "verkaufende" Kompromiss am Anfang viel einfacher und verlockender zu leben. Der Weg scheint so einfach, glatt und gut zu sein, aber das dicke Ende kommt dann, wenn man gezwungen wird, seine Gefühle und Werte aufzugeben, um auf diesem Weg weitergehen zu können. Spätestens hier müsste man den Mut haben und umkehren, nur ist man dann schon so in einem Geflecht an Beziehungen, materiellen Gegebenheiten und äusseren Zwängen, daß man scheinbar sehr viel aufgeben muss, um umzukehren. Man klammert sich an das Materielle und an sein Ego, wie an einen Strohhalm und versucht nicht in Lieblosigkeit zu ertrinken. Man verliert alles, was man durch den "verkaufenden" Kompromiss erlangt hat, kehrt man hier um. Man fängt wieder bei Null an.

Hat man nicht den Mut die Unterschiede zwischen "erhaltenden" Kompromiss und "verkaufenden" Kompromiss zu erkennen und sich für den "Erhaltenden" zu entscheiden, lebt man irgendwann ein Leben in Leiden und stürzt alle, die mit einem zu tun haben mit hinein.

Ich grüsse und umarme Euch und möchte Euch Liebe und Respekt schenken, denn ich habe keine Lust dazu auch nur eine einzige Sekunde meines Lebens an den verkaufenden Kompromiss zu verschwenden.
Claudia