Erste Tage in Indien

Roland:

Wie es sich gehört, ist der Einstieg in Indien etwas heftig: Slums, staubige Strassen, verrückter Verkehr und Affen auf den Strassen begrüssen uns.
Trotzdem sind wir nach 14 Stunden Schlaf wohlauf, vor allem weil wir uns im Ashram von Swamiji Balendu wohl und frei fühlen können.

Nach einer halb durchwachten Nacht kamen wir gestern um 8 Uhr morgens in Delhi an. Am Ausgang erwartete uns wie abgemacht ein Fahrer unseres Ashrams. Nun ging es auf staubigen Strassen durch Delhis Vororte – wir wussten nie genau, ob wir noch in der Stadt oder wo wir überhaupt waren, denn es wimmelte ständig von Menschen, Tieren und Karren.
Schliesslich landeten wir auf einer Art Autobahn. Aber das einzige, was einer Autobahn ähnelte, waren die vier Spuren. Auch hier waren Fahrradfahrer und Ochsenkarren anzutreffen. Unser Fahrer zischte nur so durchs Gewühl, ganz eng zwischen Fahrrädern und Lastwagen hindurch; man schloss manchmal besser die Augen...
Als unser Auto nach einer kurzen Rast in der falschen Richtung der Autobahn losfuhr, wunderten wir uns schon ein bisschen. Und als uns dann ein ganzer Ochsenkarren in der Gegenrichtung entgegenkam, schickte ich ein Stossgebet zum Himmel!

Von Vrindavan hatten wir einen schönen Film auf dem Internet gesehen. Die Stadt der Tempel gilt als heilige Stadt. Es soll hier ca. 6000 Tempel geben. Der Gott Krishna hat hier gelebt – der Gott der Leichtigkeit und des Tanzes, der mit den Hirtenmädchen spielte.
Als wir aber hier ankamen, erwartete uns ein Schock: Staubige, schmutzige Strassen, die gar nicht an eine Stadt erinnerten, schlimme Slums, Schlaglöcher...
Wir wussten, dass wir wegen der Kanalistationsarbeiten umgeleitet würden – aber trotzdem war es ein wenig heftig.
Am Schluss blieben wir fast in einer Sackgasse stecken, die von Motorrädern, Autos und vor allem Kühen verstopft war.
Die Kühe kamen direkt auf uns zu, unser Fahrer gab natürlich Gas, bis das Auto zwischen zwei Kühen eingeklemmt war...Die Kühe wichen zurück, und irgendwie schafften wir es, durchzukommen und landeten auf dem Platz des Ashrams. Hier wurden wir herzlich begrüsst von Samiji, seiner Frau Ramona und seinem Bruder Yashendu. Wir kennen die drei seit dem Kongress in Innsbuck vom letzten Mai, an dem sie uns nach Indien eingeladen haben.
Nun lernten wir noch den dritten Bruder, Purnendu, sowie die Eltern und zahlreiche weitere Ashram-Mitglieder kennen.
Der Vater ist auch eine eindrucksvolle Persönlichkeit. Er war einmal ein bekannter spiritueller Lehrer und strahlt stets übers ganze Gesicht. Er ist sicher über 70 und widmet sich in letzter Zeit mit viel Hingabe der Pflege des Gartens.
Im Ashram herrscht eine schöne, liebevolle und friedliche Atmosphäre. Das war für uns sehr wohltuend. Aber nach dem Mittagessen hatten wir nur Schlafen im Sinn, nach dem Abendessen ebenfalls, und nach dem heutigen Frühstück noch einmal.
Nun sind wir erholt und geniessen den Nachmittag auf der Terrasse unseres Zimmers.

Christina:

Indien kennt keine Grenzen

Abgespeichert unter „Grenzenlosem Vertrauen“

Die Fahrt durch Slums, und Aussenquartiere von Delhi bringt uns auf die Autobahn nach Vrindavan in den Ashram von unseren Freunden Swami Ji Balendu. Diese Fahrt bleibt unauslöschlich in bester Erinnerung, denn wir sind heil angekommen und das Wunderbare daran ist, dass ich überhaupt keine Angst verspürte. Es ist auch mein bescheidenes Ziel, diese Indienreise zu nutzen um mit dem Herzen wahr zu nehmen. Die Augen nehmen bereits auf dieser Fahrt eine Menge neuer Eindrücke wahr! Nie Gesehenes kann und will ich bewusst neu einordnen in Vertrauen, Mitgefühl und Liebe!
Da rennen doch Schafe, Kühe, Menschen quer über die Autobahn. Nebst Autos und Mofas beladen mit ganzen Familien mit Kleinkindern tuckern Pferdegespanne und Lastwagen in die selbe Richtung. Dass alle in die selbe Richtung ziehen scheint das einzige Kennzeichen der Autobahn zu sein. Auch diese Annahme ist fehl! Nicht lange gehts bis unser Taxifahrer nach einem Chai-Halt am Rande der Strasse ohne Wimpernzucken in die andere Richtung fährt. Mein Fotoapparat ist noch im Gepäck, so dass ich diese Stimmung mit viel Gehupe und Fragezeichen auf unseren Gesichtern nicht fest halten kann! Vielleicht besser.
Mein Vertrauen in diese Fahrweise ist grenzenlos, es bleibt mir ja gar nichts anderes übrig. Das Unterbewusstsein lenkt jedoch meinen Blick auf die Notrufnummer 1033, was ja sicher nicht schädlich ist. Unterbewusstsein im Bewusstsein und Bewusstsein im Unterbewusstsein sind ein unbezwingbares Team und mit dem bin ich unterwegs!

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