Ich habe mit grossem Interesse die Zuschrift der jungen Indonesierin gelesen.Ihr Bericht hat mich sehr bewegt, da auch ich ähnliches erfahren habe. Meine Generation, ich bin Jahrgang 44, die im christlichen Glauben erzogen wurde, ist mit der Vorstellung eines strafenden, zürnenden Gottes aufgewachsen. Da war immer nur die Rede von Sünde, Schuld, Sühne, absolutem Gehorsam und Strafe. Ein schlechtes Gewissen, Schuldgefühle und Angst waren das Ergebnis. Von Liebe, Güte und Barmherzigkeit nicht die Spur. Angst war ein ständiger Begleiter und ist es auch heute noch für viele von uns. Kein Wunder, dass man unter diesen Bedingungen geneigt ist, sein Herz zu verschliessen, dass man aus Angst betet, weil man nicht bestraft warden möchte. Welches Kind läuft schon mit offenen Armen und freudestrahlend einem Vater entgegen, der mit Prügeln droht? Welches Kind sucht Schutz und Rat bei einer Mutter, die mit Unverständnis reagiert?
Und dann diese Verherrlichung des Leidens, der Entsagung, der Selbstkasteiung, diese Verehrung der Märtyrer! Lebensfreude, Spass, Geniessen waren absolut verpönt.
Viele sahen nur einen Ausweg aus diesem Tal der Tränen und der Angst, sie wandten sich ab und haben innerlich mit diesem Gott gebrochen.
Ich persönlich habe nach langem Suchen und vielen Umwegen, mit Hilfe meiner Frau und dank der östlichen Philosophie, erst viel später zur wahren Spiritualität gefunden.
Swami ji hat erheblich dazu beigetragen, meine Sichtweise und meine Gotteswahrnehmung zu ändern. Die Begegnung und der Umgang mit Swami ji, seine uneingeschräkte, täglich gelebte Liebe, sein Beispiel haben mir die Augen für die wahre Natur Gottes geöffnet.
Ausserdem muss Gott ja nicht unbedingt als männliches Wesen verehrt werden. Ich kann in Ihm auch eine Mutter sehen. Für mich jedenfalls ist Er vornehmlich eine liebende, fürsorgliche Mutter, die mich durch die Wirren des Alltags begleitet und beschützt, der ich mich anvertrauen kann, die mich versteht, mit der ich in jeden Lebenslagen von Herz zu Herz reden kann.
Mein Gebet ist kein Flehen, keine Bitte um Vergebung, sondern ein Zwiegespräch mit einer mütterlichen Freundin/einem väterlichen Freund, die/der in meinem Herzen wohnt.
Und das ist ein herrliches, befreiendes und wohliges Gefühl.